Geschichte des Kollegiatstift Zeitz

Am Fuß der Anhöhe, auf der die Zeitzer Oberstadt liegt, erstreckt sich am Rande der Elsterniederung auf der rechten Flussseite der ehemalige Dombezirk. Vor 968 entstand hier auf einem niedrigen, in die Elsteraue vorspringenden Geländesporn eine Königsburg. Hier befindet sich heute das im 17. Jahrhundert errichtete Schloss Moritzburg.

Die Königsburg wurde, nachdem auf Initiative von Kaiser Otto I. im Jahr 968 die Gründung des Bistums Zeitz erfolgt war, zum Wohnsitz der Bischöfe ausgebaut. Nahezu zeitgleich entstand in unmittelbarer Nähe zu der bischöflichen Burg an Stelle einer älteren Kirche die den Aposteln Peter und Paul geweihte Zeitzer Domkirche als das geistliche Zentrum des noch jungen Bistums. An ihrer Stelle steht heute eine im 15. Jahrhundert errichtete spätgotische Hallenkirche. Ihre, das mittelalterliche Bauensemble überragenden Türme wurden 1667 im Zuge der Errichtung der Moritzburg abgetragen. Reste der ursprünglichen Anlage des 10. Jahrhunderts haben sich in Form der ottonischen Krypta erhalten. Der Zeitzer Dom ist eine Station der „Straße der Romanik“ in Sachsen-Anhalt.

Im Jahr 1028 erfolgte die Verlegung des Bistumssitzes nach Naumburg. Damit verlor der Zeitzer Dom seine Stellung als Kathedralkirche. Doch beanspruchte das in Zeitz verbliebene Kollegiatstift weiter die Rechte eines Domkapitels. Erst in den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts fiel eine endgültige Entscheidung. Sie zwangen das Zeitzer Kapitel zur Aufgabe seiner Ansprüche.

Älteste Originalurkunde für das Zeitzer Kollegiatstift St. Peter und Paul, um 1140
Ansicht der Zeitzer Domfreiheit mit dem bischöflichen Schloß und dem Kollegiatstift St. Peter und Paul, um 1540
Komplex der Moritzburg mit Stiftskirche St. Peter und Paul und Torhaus, 2005

Größere Bedeutung erlangten Kollegiatstift und bischöfliche Burg erst wieder im Verlauf der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Zwischenzeitlich war es den Naumburger Bischöfen nicht nur geglückt, sich als alleinige Stadtherren in der verkehrsgünstig an einer Fernhandelsstraße gelegenen Stadt Zeitz durchzusetzen.

Es war ihnen auch gelungen, um Zeitz herum ein geschlossenes, stark gesichertes Territorium aufzubauen, das ihnen bis in das 16. Jahrhundert wirtschaftlich und politisch Rückhalt bot. Im Zuge dieser Entwicklung verlegten die Bischöfe von 1285 an dauerhaft ihren Wohnsitz nach Zeitz. Die Stadt selbst hatte seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine rasante Entwicklung durchlaufen, deren Höhepunkt um 1300 erreicht war. Keimzelle der Stadt war die Unterstadt im Bereich des Brühl. In unmittelbarer Nähe zum Sitz des Bischofs dürfte hier bereits im 10. Jahrhundert eine Kaufmannssiedlung existiert haben. Vor 1147 entstand auf Initiative der Naumburger Bischöfe auf dem Berg, der sich östlich an den Dombezirk anschloss, planmäßig als künftiges Zentrum der Stadt mit dem Altmarkt im Zentrum die Oberstadt. Diese wurde vor 1229 mit dem Neumarkt im Zentrum nach Norden erweitert. Pfarrkirche war die Kirche St. Michael, gelegen in der Verlängerung der Nordwestecke des Altmarktes. Im Bereich der Oberstadt errichteten vor 1266 die Franziskaner eine Niederlassung (Franziskanerkloster). Das ursprünglich vor der Stadt gelegene, um 1147 errichtete Benediktinerinnenkloster St. Stephan wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in die Michaeliskirche verlegt. Die Übertragung (Inkorporation) der Michaeliskirche an das Kloster war bereits 1154 erfolgt.

Mit der Verlegung des Wohnsitzes der Naumburger Bischöfe wurde die bischöfliche Burg als Residenz zum Mittelpunkt der bischöflichen Hofhaltung. Es siedelten sich die wichtigsten geistlichen und weltlichen Zentralbehörden an und es entstanden parallel Zug um Zug bischöfliches Archiv und bischöfliche Bibliothek. Das Personal dafür rekrutierte sich vornehmlich aus den Angehörigen des Kollegiatstifts. Auch die ehemalige Zeitzer Bischofskirche gewann wieder an Bedeutung.

Neben der bischöflichen Hauskapelle zog der Bischof den Zeitzer Dom wieder verstärkt als Ort geistlicher Handlungen heran. Damit verbunden waren umfangreiche bauliche Veränderungen an Kirche und Burg. Doch haben sich im Gegensatz zur Kirche von der imposanten spätmittelalterlichen, im Stil der Spätgotik und Renaissance errichteten Schlossanlage nur unbedeutende Reste erhalten. Nur ein Gemälde aus der Zeit um 1540 vermittelt heute einen Eindruck von der Anlage, die bis 1564 den Naumburger Bischöfen als Residenz diente. Im Jahr 1644 zerstört, entstand an ihrer Stelle ab 1657 die barocke Residenz der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz.

Nach 1564 bestand das zunehmend personell immer enger mit dem Naumburger Domkapitel verflochtene Kollegiatstift als evangelische Institution weiter fort. Bestrebungen seitens der Herzöge von Sachsen-Zeitz, das Kollegiatstift im 17. Jahrhundert aufzulösen und sich in Besitz der damit verbundenen Rechte und Güter zu setzten, schlugen fehl.

Sie führten jedoch 1667/1668 zur Gründung des Prokuraturamts. Neben dem bereits im 16. Jahrhundert von Bischof Julius Pflug gegründeten Kirchenkastenamt sowie dem im Kern weiter bestehenden Kollegiatstift ist das die dritte Stiftung, aus deren Vermögensmasse sich heute der Bestand an Kulturgütern und Liegenschaften der Vereinigten Domstifter in Zeitz und Umgebung zusammensetzt. Dazu gehören u.a. die Michaeliskirche in Zeitz, das Franziskanerkloster in Zeitz sowie die Zeitzer Stiftsbibliothek und das ihr angeschlossene historische Archiv. Der Zeitzer Dom ist heute im Besitz der Stadt Zeitz und wird von der katholischen Gemeinde betreut.