Geschichte des Domstifts Merseburg

Dom und Schloss Merseburg stehen auf einer Hochfläche am linken Ufer der Saale. Im 10. Jahrhundert erwarb König Heinrich I. Merseburg und das umgebende Gebiet und baute es zur Pfalz aus. Im Jahre 968 gründete Otto I. (der Große) das Bistum Merseburg, das dem Heiligen Laurentius geweiht wurde. In Anknüpfung an eine Johanniskirche entstand der Merseburger Dom Ss. Laurentius und Johannes der Täufer. 981 erfolgte die Auflösung des Bistums, 1004 wurde es durch Kaiser Heinrich II. neu begründet.

Das Bistum wurde in der Folge durch Heinrich II. umfangreich ausgestattet und damit der Grund für die spätere Ausdehnung des Hochstifts gelegt. Bischof Thietmar von Merseburg legte 1015 den Grundstein für einen frühromanischen Dombau. 1021 erfolgte im Beisein von Kaiser Heinrich II. die Domweihe. Bischof Thietmar gehört zu den wichtigsten Chronisten der Ottonenzeit, an ihn erinnern im Dom seine Grabplatte sowie ein jüngst aufgestellter Brunnen im Kreuzhof. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts gehörte Merseburg zu den wichtigsten Königspfalzen, erst im Zuge des Interregnums konnten die Bischöfe ihre Herrschaft mehr und mehr verselbstständigen.

Dom und Schloss Merseburg
Grenzen des Bistums
Urkunde König Heinrichs II. für das wiederbegründete Bistum Merseburg

Mittelalter und Neuzeit: Die Stadt wuchs im 12. Jahrhundert kräftig, indem der Markt erweitert wurde und an der Leipzig führenden Straße mit dem Neumarkt eine Neustadt mit Pfarrkirche St. Thomas entstand.

Während im 13. und 14. Jahrhundert vor allem die Vertreter der Harzgrafengeschlechter den Bischofsstuhl besetzten, versuchten seit dem 15. Jahrhundert die Wettiner als Kurfürsten von Sachsen Einfluss auf Bischofswahl und Domkapitel zu nehmen. Eine neuerliche Blüte erlebte Merseburg unter Bischof Thilo von Trotha (1466-1514), der die Verehrung Kaiser Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde intensivierte. Hintergrund war die faktisch beschnittene Reichsunmittelbarkeit des Hochstifts. Unter der Ägide des Bischofs entstand das topographisch und architektonisch herausragende Ensemble des Dom- und Schlossbezirkes.

Dieses hat bis heute sein spätgotisches Gesicht bewahrt. Das Bistum Merseburg war besonders früh von der Reformation betroffen, insbesondere Bischof Adolf von Anhalt hatte sich gegen Reformationsbestrebungen in den ernestinischen Landesteilen seines Bistums zu erwehren. Im Zuge der Reformation kam es in Merseburg zur Einsetzung Herzog Augusts als weltlicher Administrator des Hochstifts. Gleichzeitig wurde der Merseburger Domherr Georg von Anhalt 1544 Administrator in geistlichen Dingen, also de facto ein evangelischer Bischof. Nach dem Schmalkaldischen Krieg 1546/47, von dem auch Merseburg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, setzte Kaiser Karl V. mit Michael Helding nochmals einen katholischen Bischof ein. Er konnte allerdings gegen die vordringende evangelische Konfession wenig ausrichten, entfaltete allerdings in Zusammenarbeit mit dem Naumburger Bischof Julius Pflug ein umfangreiches Predigtprogramm.

Seit dem Tod Heldings 1561 wählte das Domkapitel stets einen Wettiner zum Administrator des Hochstifts, der nach lutherischem Verständnis auch als Notbischof fungierte.

Das Merseburger Domkapitel blieb trotz aller Eingriffsversuche von Seiten der Wettiner bestehen. Es wählte auch ferner die Administratoren des Hochstifts. Zu seinen vornehmsten Aufgaben gehörte die bauliche Unterhaltung des Domes und der in der Domfreiheit stehenden Kurien. 1930 kam es zum Zusammenschluss des Domkapitels Merseburg mit dem Naumburger Domkapitel und dem Kollegiatstift Zeitz.