Kapitelhaus

Geschichte Josephs auf der Merseburger Vulgata
Geschichte Josephs auf der Merseburger Vulgata

Das östlich der Klausur gelegene Merseburger Kapitelhaus geht in seiner baulichen Substanz bis in das 12. Jahrhundert zurück. Die im Süden anschließende Marienkapelle wird im 13. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Das Kapitelhaus selbst wird erstmals Ende des 14. Jahrhunderts genannt, als der neu gewählte Bischof Heinrich dort gegenüber dem Domkapitel seinen Eid ablegte. Das Haus bildete mit Archiv, Bibliothek und Verwaltungsräumen das Herz der Verwaltung des Domkapitels und war gleichsam ein Pendant zum bischöflichen Schloss bzw. der Verwaltung der Administratoren.

Einen großen Umbau erfuhr das Kapitelhaus zu Beginn des 16. Jahrhunderts, während der Regierungszeit Bischof Thilos von Trotha. Die Räumlichkeiten wurden mit Wandmalereien prachtvoll ausgestaltet. Mit den farbigen Wappen der Domherren und des Stiftsadels war nunmehr das Merseburger Hochstift im Kapitelhaus präsent.

Madonna auf der Mondsichel
Madonna auf der Mondsichel

Eine Umgestaltung erfuhr das Haus nochmals im 17. Jahrhundert, als zur Unterbringung der großen Bibliothek des Kapitelssyndikus’ (Anwalt) Johannes Schütze der Versammlungsraum des Domkapitels verlegt werden musste. Bis in das 20. Jahrhundert war das Kapitelhaus Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude des Merseburger Domkapitels. Aufgrund der unter Thilo von Trotha repräsentativ ausgestalteten und mit Wandmalereien versehenen Räumlichkeiten zählte das Kapitelhaus zu den schönsten spätgotischen Gebäuden in Deutschland.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten die dort verwahrten Bestände des Domstiftsarchivs und der -bibliothek ausgelagert werden. Seit den 50er Jahren verfiel das Kapitelhaus zusehends. Erste Sicherungsmaßnahmen fanden zu Beginn der 90er Jahre statt, in den Jahren 2003 bis 2006 konnte das Haus umfassend restauriert und neu gestaltet werden. Der Wappensaal wurde nach historischen Vorlagen vollständig rekonstruiert und gehört heute zu den beeindruckendsten spätgotischen Räumen Deutschlands.

Blick in den Wappensaal
Blick in den Wappensaal
Elfenbeinkästchen
Elfenbeinkästchen

In den spätgotischen Räumen des Erdgeschosses werden herausragende Stücke des Merseburger Domschatzes präsentiert. Gezeigt werden bedeutende Zeugnisse aus dem Merseburger Domstiftsarchiv und der -bibliothek wie z.B. Merseburger Zaubersprüche aus dem 10. Jahrhundert oder die prachtvoll ausgemalte Merseburger Bibel des 13. Jahrhunderts. Ebenso zu sehen sind z.B. ein romanischer Tragaltar oder ein Elfenbeinkästchen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts sowie zahlreiche sakrale Plastiken. Auch abgeschlagene rechte Hand des 1080 gefallenen Rudolf von Schwaben, des Gegenkönigs Heinrich IV. wird im Kapitelhaus aufbewahrt.

Im ersten Geschoss des Kapitelhauses sind nunmehr wieder die Bestände des Merseburger Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek untergebracht, die für die öffentliche Benutzung zugänglich sind.

Der an das Kapitelhaus anschließende, nach barockem Vorbild gestaltete Terrassengarten eröffnet faszinierende Blicke auf die romanische Neumarktkirche und die Auenlandschaft der Saale.

Terrassengarten des Kapitelhauses
Terrassengarten des Kapitelhauses
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