Verwalter der vakanten Stelle eines geistlichen Würdenträgers (Erzbischof, Bischof, Abt). Im Zeitalter der Reformation insbesondere durch die Wettiner genutzter Titel, um Verfügung und Hoheit über geistliche Territorien zu erlangen. Reichsrechtlich wurde dieses Vorgehen erst im Ergebnis des 30jährigen Krieges anerkannt und sanktioniert (1648).
Erhöhte Opferstätte, in der Antike in der Regel frei vor dem Tempel stehend, im Christentum als Stätte des eucharistischen Mahls (Abendmahl) im Kirchenraum.
Meist halbkreisförmiger oder polygonaler (mehreckiger) Abschluss eines Raumes, bei Kirchen meist östlichster Teil des Chores, seltener im Westen.
Abfolge mehrerer auf Pfeilern bzw. Säulen ruhender Bögen.
Zum Nachweis der adligen Abstammung durch Bewerber auf Domherrenstellen einzureichender genealogischer Stammbaum. Zunächst lediglich als Text fixiert; im 18. Jahrhundert aufwendig gestaltete Tafelübersicht. über 16 Ahnen mit dazugehörigen Wappen. Die Korrektheit dieser Ahnenprobe musste beschworen werden.
Stilepoche von ca. 1580 bis ca. Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Begriff entstammt dem Portugiesischen "barocco" = unregelmäßige Perle und war seinerzeit abwertend gemeint. Die Grundaussage des Barock ist im Gegensatz zur Renaissance durch Kraft und Bewegung gekennzeichnet. Dies geschieht u.a. durch geschwungene Motive und verschlungene Raumformen.
(griech.: Kirche). Langgestreckter, aus drei oder fünf Schiffen bestehender Bau, bei dem das Mittelschiff in der Höhe über die Seitenschiffe herausgezogen und über die so genannten Obergadenfenster direkt belichtet wird.
Fuß einer Säule oder eines Pfeilers.
Pfeiler, der durch vorgelegte Säulen oder Dienste den Eindruck einer Bündelung erweckt.
(lat.: episcopus). Kirchenamt mit Rechtshoheit über alle in einem Bezirk (Diözese) wirkenden Geistlichen und kirchlichen Einrichtungen. Als Stadt- wie Landesherren waren sie zugleich Repräsentanten weltlicher Hoheit. Der Bischof wurde in einem komplizierten Verfahren erwählt, bestätigt und durch Weihe eingesetzt. Bischof und Kapitel schlossen seit Beginn des 13. Jahrhunderts mehr und mehr gegenseitige Verträge (Wahlkapitulation). Die Kandidaten für bischöfliche Ämter kamen im Mittelalter größtenteils aus dem Adel. Dies förderte die Einbeziehung der Diözesen in territorialpolitische Überlegungen großer Fürstenhäuser (Doppelwahlen, Vertreibungen, Fehden). In der Kirchenhierarchie stand über mehreren Bischöfen ein Erzbischof; ihre Spitze bildete der Bischof von Rom (Papst).
(= Diözese). Amtsbereich eines Bischofs.
(griech.: „chorus“ – Tanzplatz/Tanzlied/ ausführende singende Gruppe). Im antiken Griechenland ursprünglich die Bezeichnung für den Platz der Sänger bzw. für die Sänger, die zwischen den Hauptabschnitten der Dramen auftraten, um die Handlung zu kommentieren. Ab dem 3. Jahrhundert wurde der Begriff „choros“ für die Gott lobende Gemeinschaft genutzt. Am Ende der Antike ging der Kirchengesang vom Volk auf die Geistlichkeit über. Es kam zur räumlichen Trennung von Gemeinde/Laien und dem Klerus. Der Chorraum in Kirchen wurde der Teil der Kirchen, der funktional dem Gottesdienst diente und der Geistlichkeit vorbehalten war. Raum zwischen Apsis und Quer- bzw. Langhaus christlicher Kirchen, diente ursprünglich zur Aufnahme der Chorherren, bzw. als Priesterraum. Chorräume sind in der Regel nach Osten ausgerichtet.
Zwei sich gegenüber stehende Reihen von Stell- und Sitzplätze der Domherren in deren Kirche nahe vor dem Hochaltar. Hier traten die Inhaber zu den festgelegten Zeiten zu Gebet und Gesang zusammen. Die Stühle wurden reich ornamental oder figural geschmückt. Jeder Domherr hatte ein Anrecht auf einem Platz im Chorgestühl („stallus in choro“).
Steinerne Schranken zur Unterteilung von Laien- und Priesterraum in frühchristlichen und romanischen Kirchen, häufig bildhauerisch reich verziert.
(= Dekan). Vorsteher eines Gremiums von Geistlichen (zunächst zehn, später mehr). Er übernahm in Domkapitel Leitung der Klerikergemeinschaft. Heute leitet der Dechant als oberster Vertreter der Domherren die Vereinten Domstifter zu Merseburg und Naumburg sowie des Kollegiatstifts zu Zeitz
(griech.: Diener). Kirchendiener zur Erfüllung weit gefächerter Aufgaben in kirchlicher Rechtspflege, Güterverwaltung, Gottesdienst und karitativem Sozialwesen.
(= Immunität). Besonderer Rechtsbezirk um den Dom mit dem Sitz des Bischofs (Schloss), gemeinschaftlichen Einrichtungen (Kapitelhaus) und den Kurien der Domherren. Er wurde durch Mauern und Tore abgegrenzt. Heute wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch ohne jeden Rechtsgehalt als Ortsbezeichnung gebraucht.
Gemeinschaft von Weltgeistlichen (Kanoniker), die gemeinsam Gottesdienst an einer Kirche versehen und nach einer Regel gemeinschaftlich leben. Sie bezogen ihren Lebensunterhalt aus Erträgen von Stiftungen für ihre Kirche. Da den Angehörigen immer wieder Abschnitte (Kapitel) der gemeinsamen Regel vorgelesen wurde, entstand die Bezeichnung. War die Kirche mit einem Bischofssitz verbunden (= Hochstift), spricht man von einem Domkapitel.
Stilrichtung des hohen Mittelalters in Europa. Von ca. Ende des 12.Jahrhunderts bis in die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. In Mittel- und Nordeuropa hielt sich der Stil erheblich länger als in Italien, von wo aus die Gotik sukzessive von der Renaissance verdrängt wurde. In der Architektur zeichnet sie sich in Abgrenzung zur romanischen Baukunst durch große Transparenz und starke Entwicklung in die Höhe aus. In Plastik und Malerei wendet sie sich einer naturalistischen Formensprache zu.
Geb. 973 Mai 7 Gest. Grona 1024 Juli 13 Begr. Bamberg, Dom. Heilig gesprochen 1146. Letzter Herrscher der Ottonen. 1002 König („sächsische Nachwahl“ in Merseburg), 1004 Wiederbegründung des Merseburger Bistums. Merseburg gehörte zu seinen bevorzugten Aufenthaltsorten. Stifter des Bamberger Bistums und des dortigen Domes. Zahlreiche spätmittelalterliche Bildnisse am und im Merseburger Dom erinnern an ihn. s. Ottonen
Bezeichnung für die gemäß dem Testament des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen 1656/57 seinem Sohn Christian (* 1615) übertragenen Herrschaften und Territorien (Stift Merseburg, verschiedene Ämter um Landsberg sowie die Markgrafschaft Niederlausitz). Alle drei Bestandteile waren geographisch getrennt und verfügten über sehr verschiedene staatsrechtliche Traditionen. Kern der neuen Staatenbildung wurde das Stift Merseburg, wo die Nebenlinie seit 1653 dauerhaft residierte. Herzöge: Christian I. (1653-1691), Christian II. (1691-1694), Moritz Wilhelm (1694/1711-1731) sowie Heinrich (1731-1738). Die albertinische Nebenlinie hat in der Residenz Merseburg sowie auf anderen Schlössern (Delitzsch, Lauchstädt, Lützen, Doberlug, Zörbig) Hofkultur entwickelt.
Streit um das Einsetzungsrecht eines Bischofs zwischen Königtum und römischer Kirche. Zunächst setzten die Könige die Bischöfe unabhängig von Rom ein. Im 11. Jahrhundert kam langsam die päpstliche Bestätigung der Bischöfe auf. Fränkische wie ostdeutsche Könige betrachteten die Einsetzung weiter als Königsrecht. Die Einbeziehung der dortigen Bischöfe in Lehenwesen und Verwaltung (Reichskirchensystem) förderte solche Ansichten. Dagegen beanspruchte dieses Recht das Papsttum unter dem Einfluss von Reformbewegungen zur Eindämmung weltlicher Einflussnahme in kirchlichen Belangen. Unter König Heinrich IV. (1056-1106) kam es zum offenen Konflikt, der die Gesellschaft schwer erschütterte. Erst 1122 wurde der Streit als Kompromiss entschieden (Bischofswahl durch die Domkapitel).
Patron des Merseburger Domes. Der Legende nach Vorläufer Christi. Er lebte in der Wüste als Einsiedler, betätigte sich dann als Prediger, taufte Jesus und bezeugte diesen als Messias. Später wurde er eingekerkert und hingerichtet (enthauptet). Als Attribut wird seinen Darstellungen oft das Lamm Gottes beigegeben.
Versammlungsort des Domkapitels. Seine Innenräume sind innerhalb einer - freilich stark beschränkten Öffentlichkeit (Bischof, Administrator, Domherren, Gesandte) als „öffentliche Räume“ anzusehen. Sie wurden daher bisweilen aufwendig und mit kommunikativer Absicht gestaltet (Ausmalung, Bildnisse, Wappen usw.). In den Versammlungsräumen (Kapitelstube) waren wichtige herrschaftliche Insignien verwahrt (z.B. Siegelstempel), dort tagte das Gremium der Domherren, fasste Beschlüsse und vollzog Rechtshandlungen.
(lat.: captellum“ – Köpfchen). Oberster ausladende Teil (Kopfstück) einer Säule, Pfeilers oder eines Pilasters, bestehend aus Halsring, Körper und Deckplatte
Raum für die Versammlung des Konvents innerhalb der Klausur eines Klosters.
(lat. „casula“ = Häuschen). Messgewand eines Geistlichen. Die Kasel besaß keine Öffnungen für die Arme, wurde dem Träger auf die Schultern gelegt und umschloss dessen Leib völlig. Die aus wertvollen Stoffen bestehenden Kaseln sind häufig prächtig verziert worden (Stickerei). Die priesterliche Kultkleidung wird bereits im 7. Jahrhundert erwähnt.
Nach dem griechischen Wort für den an bevorzugter Stelle am Hauptaltar errichteten Sitz des Bischofs (Kathedra). Durch sein alleiniges Sitzrecht auf der Kathedra wurde dessen geistliches Lehr- wie Hirtenamt sowie seine Rechtsgewalt hervorgehoben. Der Name wurde bereits im 6. Jahrhundert als Adjektiv erklärend zum Kirchenbau gestellt, in dem der Bischof seinen Sitz hatte (lat.: „cathedralis ecclesia“ – Kathedralkirche). Im eigentlichen Bedeutungssinn nur eine Bischofskirche, später in verschiedenen Ländern ein Begriff für jede größere Kirche.
(spätlat.: „clausura“ – Verschluss; lat.: „claudere“ – schließen; „clausus“ - geschlossen). Bezeichnet den abgeschlossenen Teil eines Klosters. Als Wohn- und Lebensraum ist sie grundsätzlich nur der Klostergemeinschaft zugänglich, Außenstehende dürfen sie nicht betreten. Dieser Teil des Klosters dient als Ort des Rückzugs und der Besinnung für die Ordensmitglieder. Zur Klausur gehören Dormitorium (Schlafsaal) bzw. Zellengang und Zellen, Refektorium (Speiseraum), Kapitelsaal (Versammlungs- und Lesungsraum), Kreuzgang und Chor.
(lat.: „codex“ - Schreibtafel, Buch. Plural: Kodices). Fachbezeichnung der Mediävistik für handgeschriebene und gebundene Bücher. Diese werden zur Orientierung bisweilen nach ihrem Inhalt oder dem heutigen Aufbewahrungsort bezeichnet.
Im historischen Sinne war ein Kollegiatstift eine Gemeinschaft geistlicher Personen (Kleriker, Chorherren) unter der Leitung eines Propstes. Ihre Kirche war kein Bischofssitz (so genanntes Niederstift im Vergleich zum Hochstift mit Bischofsitz). Die Mitglieder lebten von den Erträgen der ihrer Kirche zugewiesenen, gemeinsam verwalteten Stiftungen. Das gemeinschaftliche Leben beschränkte sich oft nur auf Gottesdienst und Stundengebete in der Kirche.
Vierseitiger, in der Regel gewölbter und ausgeschmückter Gang um den Innenhof zwischen Kirche und Konventsgebäuden geistlicher Einrichtungen (Kapitel, Stifte, Klöster).
Gewölbe, gebildet aus rechtwinkliger Durchdringung zweier Tonnengewölbe von gleicher Abmessung und Gestalt
Kreuzgewölbe mit betonten Graten
Kreuzgewölbe mit unterlegten Rippen
(griech.: „krypté“ Gewölbe/Unterkirche; „kryptos“ sich verbergen) Tief liegender, gewölbter Raum, in der Regel unter dem Chor oder unter dem Querschiff einer Kirche, oft mit Altar; Ort des Heiligengrabes, als Platz für die Zurschaustellung von Reliquien, später auch genutzt als Grabstelle bedeutender geistlicher und weltlicher Herrscher.
Gewölbe- und Dachform, deren Mantelfläche in der Regel ein Kugelabschnitt ist
(lat.: „ curia“ - Hof, Wohngrundstück). Die Entwicklung der Kurien begann, als die ursprüngliche gemeinschaftliche Lebensform der Domherren verfiel. Der Begriff bezeichnet ein Grundstück aus Wohnung (mit Kapelle) mit Wirtschaftsteil und Garten, das einem Domherrn zur Ausübung seiner ständigen Residenzpflicht zugewiesen wurde. Erklärende Namenszusätze erleichterten die Identifizierung (z.B. curia Martini – Martinskurie, curia in acie ambitus – Kurie gegenüber dem Kreuzgang, curia nova – neue Kurie). Die Wohnnutzung berührte das gemeinsame Eigentumsrecht des Kapitels an der Immobilie in keiner Weise. Lediglich das Mobiliar war Eigentum des nutzenden Domherren. Nach seinem Tod wurde die Kurie neu vergeben und besetzt. Domherrenwitwen hatten noch ein Jahr Gelegenheit, die Kurie zu bewohnen.
(custos - Hüter, Bewacher). Amtsträger in geistlichen Gemeinschaften, dem die Aufsicht über einen bestimmten Lebensbereich der Gruppe bzw. gemeinsamen Eigentum (Kirche, Kirchenschatz) anvertraut war.
der lang gestreckte Abschnitt zwischen dem Westwerk und der Vierung bzw. dem Chor eines basilikalen Kirchenbaus.
Diakon in Rom, Lebensumstände nur legendarisch überliefert. Märtyrertod 258 (Folter, dann wohl enthauptet), nach einem Edikt des Kaisers Valerian. Festtag: 10. August. Bestattet in Rom. Seine Verehrung fand früh Popularität und bald Verbreitung im römischen Reich. Sein Festtag war im 10. Jahrhundert einer der wichtigsten Heiligenfeste. Otto I. griff bei der Gründung von Merseburg auf diesen aktuell lebendigen Kult zurück. Mit Merseburg sind Laurentiuslegenden (z.B. Kelchwunder) verbunden. Seine Darstellung erfolgt vorrangig mit dem Instrument seines Martyriums (Rost).
(lat.: „lectorium“). Ausgehend von Mauerschranken mit Triumphkreuz und Kreuzaltar entwickelte sich im hohen und späten Mittelalter der Lettner als monumentaler, den Raum teilender steinerner Einbau in Kirchen (Kathedralen, Kloster- und Stiftskirchen). Damit fand die Trennung der Kleriker von den Laienchristen Ausdruck. Der Lettner wurde für gottesdienstliche Schriftvorlesungen, Predigten oder als Sängerbühne genutzt. Die Reformation duldete diese Trennung im Kirchenraum nicht; durch sie verschwanden sehr viele Lettner im sächsisch-thüringischen Raum. Dagegen bietet noch heute der Naumburger Dom die Besonderheit zweier erhaltener Lettner im Kirchenschiff.
Flache Wandvorlage ohne Basis und Kapitell
Gesamtheit der gottesdienstlichen Handlungen (lat. „officium“) in der christlichen Kirche. Den Begriff kannte das Mittelalter nicht, er ist Produkt wissenschaftlicher Auseinandersetzung der nachmittelalterlichen Zeit mit dem Handlungs- und Zeremonialwesen der christlichen Priesterschaft.
Doktor der Theologie, Professor für Bibelauslegung und wichtigster Reformator. Am 31.10.1517 veröffentlichte Luther in Wittenberg seine 95 Thesen über den Ablass ("Thesenanschlag"). Die unerwartete Öffentlichkeitswirkung, die sie auslösten, war Ausdruck des schon lange in Deutschland angestauten Protestes gegen den Ablasshandel und die verweltlichte, der christlichen Botschaft entfremdete Kirche. Luthers Thesenanschlag leitete den Beginn der Reformation in Deutschland ein. Sein Wirken beeinflusste zudem wesentlich die Entwicklung der deutschen Sprache. Er behandelte diese gleichberechtigt neben den drei bis dahin als heilig erachteten Sprachen: Hebräisch, Griechisch und Latein. Er selbst war ein Meister der deutschen Hochsprache und trug v. a. durch seine Bibelübersetzung entscheidend zu ihrer Durchsetzung bei. Siehe dazu auch unseren Beitrag: Der Mönch, der das Abendland erschütterte.
Geometrisch-ornamentale Unterteilung von Fenstern und zur Gliederung von Flächen zur Zeit der Gotik.
Gelehrter, Reformator und Professor für griechische Literatur in Wittenberg. Wird zum wichtigsten Mitarbeiter Luthers und nach dessen Tod zur entscheidenden Figur in der Reformation.
Gedächtnis- bzw. Erinnerungsbau.
Oft reich verzierte Bischofsmütze, auch Inful genannt.
für dem Seitenschiff gelegene Fensterwand des Mittelschiffs einer Basilika.
augenförmger Wanddurchbruch, Fenster.
(lat: ornatus = geschmückt). Bezeichnung für die aus kostbaren Stoffen und Materialien hergestellte und sehr reich verzierte Festkleidung von geistlichen Würdenträgern.
Geb.: 23. November 912, Gest.: 7. Mai 973 in Memleben, Beigesetzt: Klosterkirche Memleben (Eingeweide) und Dom Magdeburg (Körper) Bereits seit 929 als Erbe des Königtums ausersehen, wurde Otto 936 zunächst unangefochten König. Er hat sich verstärkt auf das System der Kirche gestützt (Reichskirchensystem). Am 10. August 955 gelobte der König vor der Schlacht gegen die Ungarn auf dem Lechfeld, in Merseburg ein Bistum aufzurichten. Ottos imperiale Politik bezog sich insbesondere auf die östlich der Elbe/Saale liegenden Gebiete sowie auf Italien. 962 erhielten er und seine Frau in Rom die Kaiserwürde. 967 konnte Otto die Gründung eines Erzbistums (Magdeburg) mit drei Bistümern (Merseburg, Zeitz, Meißen) beginnen und 968 vollenden.
Geb. 955 Gest. Rom 983 Dezember 7 Begr. Rom, S. Peter (Vatikanische Grotten) 961 wurde der erst sechsjährige Otto zum König erwählt und gekrönt. Seine Eheschließung mit der byzantinischen Kaisertochter Theophanu (972) ebnete den Weg zur Anerkennung der Kaiserwürde der Ottonen durch das byzantinische Kaisertum des Ostens. Der nur einmal in Merseburg nachweisbare König (974) hat dem dortigen Bischof die Merseburger Befestigung übertragen. Unter seiner Herrschaft wurde das Bistum jedoch 981 aufgelöst.
Ursprünglich wohl aus Thüringen stammende Adelsfamilie, die mit Graf Luidolf (+ 866, daher auch als Luidolfinger bezeichnet) ins Licht der überlieferten Geschichte tritt. Königsnähe und militärische Betätigung (Ungarnabwehr) begünstigten den Aufstieg zur Herzogswürde in Sachsen. Heinrich, ein Enkel Luidolfs, wurde 912 Herzog von Sachsen und 919 ostfränkisch-deutscher König. Merseburg, durch Heirat und Ankäufe erworben (Anfang 10. Jh.), wurde für das Haus ein wichtiger Ort. König Heinrich I. (+936) folgten drei Erben namens Otto (I. 936-973, unter ihm Erwerb der Kaiserwürde), Otto II. 973-983. Otto III. 983-1002), daher die Bezeichnung “Ottonen“. Letzter Herrscher der Familie war der aus der bayrischen Nebenlinie stammende Heinrich II. (1002-1024). s. a. Otto I., Otto II., Heinrich II.
Motiv der Gotik, das sich aus zusammengesetzten Dreiviertelkreisen entwickelt. Bekannt besonders als Drei- oder Vierpass im Maßwerk gotischer Fenster.
frühmittelalterliche und mittelalterliche Residenz von Kaisern, Königen und Bischöfen
freie oder mit der Wand verbundene, vier-, vieleckige oder runde Stütze
Basilika, deren Obergaden von Pfeilern getragen werden.
Fachbegriff der Mediävistik, insbesondere der Quellenkunde. Nach dem lateinischen „provenio“ (= auftreten, herauskommen) steht der Begriff für die Herkunft einer historischen Quelle oder Quellennachricht.
Quer zur Hauptachse einer Basilika verlaufender Raumteil zwischen Langhaus und Chor bzw. Apsis.
Speisesaal in einem Kloster
(lat.: “relictus” – Rest/Überbleibsel). Der Begriff umfasst im Sinne der abendländischen Kirche die Summe aller wirklichen oder vermeintlichen von Christus und den Heiligen überlieferten körperlichen Reste, unmittelbaren oder mittelbaren Gegenstände oder Zeugnisse ihrer Existenz auf Erden. Diesen Objekten wurde eine wundersame, positive Kraft zugeschrieben (Heilung, Schutz). Die Reformation verwarf diesen Glauben. Sie brach mit den zeitgenössischen Auswüchsen des Reliquienkultes, aber auch grundsätzlich mit der Reliquie.
von Italien im 14. Jahrhundert ausgehende Entwicklung, die sich in der Baukunst durch eine Rückbesinnung auf die römische Architektur auszeichnet. Die antiken 10 Bücher über die Baukunst von Vitruv werden Grundwissen der Architektur. In Malerei und Bildhauerei werden die zu dieser Zeit entdeckten antiken Vorbilder stilbildend. Wegweisend wird die Erfindung der Perspektive, die alle Künste durchdringt. Mit dem Höhepunkt im 15. Jahrhundert findet die Renaissance im Manierismus des 16. Jahrhunderts ihren Schlusspunkt und leitet zum Barock über.
Altaraufsatz aus Stein, Stuck, Metall oder Holz. Eine Sonderentwicklung stellt der gotische Flügelaltar dar.
Stilrichtung in weiten Teilen Europas ab dem 10. Jahrhundert mit Beginn des frühen Mittelalters. Die Architektur zeichnet sich durch eine behütende Grundhaltung aus, kleine Fensteröffnungen, eher gedrungene Proportionen vermitteln Würde und Erhabenheit. Malerei und Plastik fußen auf spätantiken Vorbildern und sind von einer kanonischen, nicht der individuellen verhafteten Sprache gekennzeichnet. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wird sie durch die Gotik verdrängt.
Einzelner Raum innerhalb der Kirche, nahe am Altarbereich, zur sicheren Aufbewahrung der liturgischen Geräte, Bücher u. a. für den Gottesdienst nötiger Objekte. Er diente auch zur Vorbereitung der Priester (z.B. Anlegen von Gewändern).
Das Rechtssystem des Mittelalters nutzte öffentlich vollzogene symbolische Handlungen der beteiligten Personen, um einen andauernden Zustand von Verbindlichkeit wie Rechtssicherheit herzustellen. Die Haltung des Körpers, der Arme und Hände boten hierzu zahlreiche Gesten und Gebärde, die als kommunikative Mittel eingesetzt wurden. Die heute geläufige Verschriftlichung des Rechtes setzte sich erst nach und nach durch. Eine der wichtigsten Rechtshandlungen war der persönliche („körperliche“) Eid bzw. Schwur. Er wurde von Männern meist mit der rechten Hand vollzogen: Zeige- und Mittelfinger berührten ein zur Einhaltung seines Eides „fesselndes“ Objekt (Reliquie, Evangelium, Schwert). Die Gebärde galt bei der Urteilsfindung vor Gericht als wichtigstes Beweismittel für die Lauterkeit der Auskünfte des Befragten. Meineid und Eidbruch wurden durch Amputation der Schwurhand geahndet.
Bereits im 17./18. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für Nebenlinien fürstlicher Häuser nach dem lateinischen „secundus genitus“ - der zweitgeborene (Sohn). Allerdings werden auch Linien weiterer nachgeborener Söhne auf diese Weise bezeichnet. In Kursachsen gab es seit den Eheschließungen von 1638, 1647 und der Doppelhochzeit von 1650 neben dem Kurhaus drei albertinische Nebenlinien. Gemäß dem 1653 verfassten Testament des Kurfürsten Johann Georg I. (+ 1656 Oktober 5) entstanden nach Einigung aller vier männlichen Erben (1657 April 22) zum 1. Mai d. J. die sächsischen Sekundogeniturfürstentümer: Herzog August (*1614, stiftete Sachsen-Weißenfels; Dauer1657-1746). Herzog Christian (*1615, stiftete Sachsen-Merseburg; Dauer 1657-1738). Herzog Moritz (* 1619 Stifter von Sachsen-Zeitz; Dauer 1657-1718). Die Linie Sachsen-Weißenfels bildete als einzige eine eigene Sekundogenitur (Herzog Heinrich *1657, Stifter von Sachsen-Barby; Dauer 1680-1739). Ansonsten schrieben alle Herzöge das Erbrecht des Erstgeborenen fest („Primogenitur“) und betonten die Unteilbarkeit ihrer Lande. Nach anfänglichen Separationsbestrebungen (z.B. 1663 Schaffung Reichsfürstentum Querfurt) haben sich nach 1700 die Bindungen der S. an das Kurhaus stetig verstärkt. 1746 starb die letzte Linie (Sachsen-Weißenfels) im Mannesstamm aus. Das erbende Kurhaus nutzte die verwaisten höfischen Anlagen der S. nur in geringen Maße (Merseburg, Neuenburg/Unstrut, Lauchstädt). Der letzte selbständige Hof einer S. (Weißenfelser Herzogswitwe Friederike) erlosch 1775 in Langensalza/Thüringen. s. Herzogtum Sachsen-Merseburg
(lat.: der Ältere). Ehrentitel innerhalb von geistlichen (und weltlichen) Körperschaften, bzw. Organisationen. Er wurde nach Eintritt der aktuell längsten Mitgliedschaft vergeben und zeitlebens geführt.
Eine Stiftung ist eine Einrichtung, die mittels eines Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt. In der Regel wird das Vermögen auf Dauer erhalten, und es werden lediglich die Erträge für den Zweck verwendet. Stiftungen können in verschiedenen rechtlichen Formen und zu jedem legalen Zweck errichtet werden und dienen meist gemeinnützigen Zwecken.
Raum der Kirche, in dem sich Langhaus und Querhaus kreuzförmig durchdringen.
Da Lang- und Querhaus häufig gleiche Breite haben, ergibt sich als Grundriss der Durchdringung ein Quadrat, das die Grundlage des gebundenen Systems bildet.
Mit Spitzen, z.T. mit Stoffbordüren-Imitat versehener, mehrfach konkav geschwungener Bogen
Aus dem hebräischen ins lateinische übersetzte und in der katholischen Kirche als alleinig authentisch autorisierte Bibelübersetzung. Wie alle Bücher des Mittelalters wurde sie immer wieder per Hand kopiert und z. T. prächtig ausgemalt.
Geb. nach 1000 Gest. Hamersleben 1093, Januar 12 Begr. Merseburg, Klosterkirche S. Petri Der aus thüringischem Adel stammende Werner spielte unter Heinrich IV. innerhalb der antikaiserlichen, sächsischen Partei eine wesentliche Rolle. Dies wird durch zahlreiche Aktivitäten, insbesondere aber durch die von ihm vorgenommene Bestattung des Gegenkönigs Rudolf (+ 1080) in der Merseburger Kathedrale, sichtbar. Werner ließ an seinem Dom auch einen „mittleren Turm“ (wohl über der Vierung) errichten. Als Stifter prägte er das klösterliche Leben im Bereich der Merseburger Altenburg: 1091 Weihe der neu errichteten Klosterkirche. Hier, und nicht im Dom, wurde W. 1093 bestattet. Das Grab inmitten der Kirche sei „unter einem erhobenen Steine/mit weissen Marmelsteinen beleget“ (1556 Merseburger Chronist Ernst Brotuff, 1497-1565). Heute befindet sich anstelle des bereits im späten 16. Jahrhundert abgerissenen Gotteshauses ein Friedhof.
Im Westen einer frühmittelalterlichen Kirche gelegener zentralbauartiger Baukörper mit einem in der Mitte turmartig hochgezogenen Raumschacht. Im Inneren liegt über einem niedrigeren Durchgangsraum ein Altarraum, der oft Emporen enthält und sich zum Langhaus öffnet. Die Erschließung der oberen Räume und Raumabschnitte erfolgt durch den Mittelturm flankierende Treppentürme. Im Gegensatz zum östlich gelegenen Chorraum, der dem Chlerus vorbehalten war, diente das Westwerk den Repräsentationsansprüchen hoher weltlicher Würdenträger. Beispiele sind die Kaiserdome in Speyer, Worms und Mainz.
bedeutendes deutsches Fürstengeschlecht, benannt nach der Burg Wettin an der Saale. Die Familie fasste schon früh als Markgrafen von Meißen im Osten Fuß. 1247 Erbanfall der Landgrafschaft Thüringen und Hessen (letzteres trennte sich 1264 ab). Die Wettiner wurden im thüringisch-sächsischen Raum zur dominierenden Landesherrschaft. 1485 Teilung in zwei Hauptlinien (nach den Stiftern Ernst und Albert als Ernestiner und Albertiner bezeichnet). Zahlreiche Residenzen in Thüringen sowie die Schlösser in und um Dresden zeugen von Hofhaltung und Residenzkultur der Familie.