Geschichte des Domstifts Naumburg

Mit der Verlegung des durch Otto den Großen im Jahr 968 begründeten Bistumsitzes von Zeitz nach Naumburg beginnt im Jahr 1028 die Geschichte des Domstifts Naumburg.

Bereits im Jahr 1000 errichteten die ekkehardinischen Markgrafen von Meißen eine neue Burg – die Nuwenburch – auf einem Plateau am östlichen Saaleufer und legten damit den Grundstein für die Entwicklung von Stadt und Stift Naumburg. Nachdem die beiden Markgrafenbrüder Hermann und Ekkehard II. auch diese Verlegung erfolgreich betrieben hatten, etablierte sich in Naumburg im Laufe des 11. Jahrhunderts eine komplexe Sakraltopographie, in deren Zentrum der erste Naumburger Dom stand. Im Norden lag das Benediktinerkloster St. Georg – das Hauskloster der Ekkehardinger; m Süden des Dombezirkes schloss sich das Nonnenkloster und spätere Augustiner-Chorherrenstift St. Moritz an. Im 14. Jahrhundert schließlich wurde die kleine Marienkirche, die sich unmittelbar an die Südklausur des Domes anschmiegt, zur Kollegiatstiftskirche erhoben. Darüber hinaus sind diesem Komplex noch weitere kleine Kapellen im Bereich der Domherrenhöfe zuzurechenen.

Die ersten beiden Jahrhunderte der Diözese standen im Zeichen der Konsolidierung, des inneren Ausbaus, sowohl der Herrschafts- als auch der Kirchenstruktur. In dieser Zeit enstand die Masse der Stifte, Klöster und Pfarrsprengel des Bistums, dessen wichtigste Aufgabe immer noch in der Missionierung des weitgehend slawisch besiedelten Landes östlich der Saale bestand. Die politische und zugleich erste kulturelle Blüte erlebte das Naumburger Bistum in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Ausdruck dieses Aufschwungs sind die zahlreichen Kirchenneubauten, aber auch die sich herauskristallisierenden Marktstädte mit ihren nach Selbständigkeit drängenden Bürgergemeinden. So entstanden in Naumburg und Zeitz neben den älteren Dombezirken jüngere Bürgerstädte. Für die abschließenden Arbeiten am neuen Naumburger Dom konnte mit dem so genannten Naumburger Meister und seiner Werkstatt eine der herausragenden Künstlergestalten des Mittelalters gewonnen werden, der mit dem Westlettnerprogramm und den Stifterzyklus im Westchor ein kulturelles Erbe von Weltrang geschaffen hat.

Die Tatsache, dass mit der reichspolitisch bedeutsamen Person Julius Pflugs noch bis 1564 ein katholischer Bischof regierte, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Reformation im Bistum bereits sehr früh erfolgreich war.
Schon vor Pflugs Tod zeichnete sich in den beiden Kapiteln in Naumburg und Zeitz eine Veränderung der konfessionellen Vorzeichen ab. Am herrschaftsrechtlichen Status der Kapitel änderte sich auch in der nun folgenden Periode der evangelischen Administratoren des Stifts nichts. Beide geistliche Institutionen setzten sich immer wieder erfolgreich gegen vielfältige Versuche der Säkularisierung durch. Weder den Herzögen der Sekundogenitur Sachsen-Zeitz (1657-1718), noch der preußischen Administration (nach 1815) gelang die Auflösung der Kapitel. Die Umwandlung der Kapitel in Merseburg, Naumburg und Zeitz in Einzelstiftungen unter der Aufsicht des preußischen Staates stellte schließlich einen Kompromiss dar, der die Existenz dieser einzigartigen Körperschaften bis in die heutige Zeit zu sichern vermochte. Seit der Zusammenführung der Einzelstiftungen unter eine gemeinsame Verwaltung im Jahre 1930 besteht heute nur noch das Naumburger Domkapitel als Vorstand der Stiftung. Der Verlust der großen Länderein und bedeutenden Vermögenswerte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts änderte jedoch nichts an den verantwortungsvollen Aufgaben der Stiftung, deren Kern in der Erhaltung der einzigartigen vor Ort erwachsenen Kulturgüter besteht, um diese auch zukünftig einer möglichst breiten Öffentlichkeit nutzbar zu machen.

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts setzte der politische Bedeutungsverlust der Bischöfe ein. Aufgrund zunehmender Auseinandersetzungen mit den Wettinern, den erstarkenden Städten und schließlich mit dem in Naumburg immer selbstbewusster auftretenden Domkapitel zogen sie sich in das alte bischöfliche Zentrum Zeitz zurück. Dort konnten sie - weiterhin als Naumburger Bischöfe - über die Masse der Herrschaftsrechte des Hochstifts verfügen. Die dauerhafte Verlegung der bischöflichen Residenz nach Zeitz änderte nichts an der Vorrangstellung der Naumburger Domkirche, der sich schließlich auch das Zeitzer Stiftskapitel unterordnen musste. Die Domherren wurden zu einer prägenden kulturellen Komponente im Bereich der Naumburger Domfreiheit. Mit ihren imposanten Herrenhöfen – den Kurien, die den Dom wie ein Kranz umschließen, ihren Altarstiftungen und vielfältigen Zeugnissen, haben sie ein beeindruckendes bau- und kulturhistorisches Ensemble hinterlassen.